Übersetzungen Deutsch–Englisch: historische Verbindung und Anglizismen

Englisch ist praktisch allgegenwärtig: Man findet es auf der ganzen Welt, sei es im Musik- und Filmbereich, in internationalen Marken, in der Weltpolitik oder, wenn ein englischer Begriff in eine andere Sprache übernommen wurde, auch in Form von Anglizismen – vor allem in Europa. Da es in verschiedenen Bereichen den Status einer Lingua franca besitzt, zählt Englisch bei Übersetzungen zu den häufigsten Zielsprachen.

Aber ist diese starke Verbreitung gleichbedeutend mit Erfolg oder qualitativ guten Ergebnissen? Leider nicht. Egal ob ein deutsches Unternehmen seine Website an die Bedürfnisse internationaler Kunden anpassen möchte, eine Behörde Informationen für nichtdeutsche Muttersprachler bereithalten möchte oder ein Produktionsbetrieb seiner ausländischen Tochter die internen Betriebsabläufe verdeutlichen möchte – ein qualitativ hochwertiger englischer Text kann der Schlüssel zum Erfolg sein.

Wie stellt man also sicher, dass das, was man sagen will, auf Englisch richtig ankommt und „natürlich“ klingt? Insbesondere beim Sprachpaar Deutsch–Englisch gilt es, ein paar Dinge zu beachten, und im Rahmen dieser Blogserie wollen wir uns einigen der wichtigsten Aspekte widmen. In dieser Folge geht es um die historische Verbindung der deutschen und englischen Sprache sowie einige Anglizismen, die man kennen sollte.

 

Die historische Beziehung beider Sprachen

Deutsch und Englisch gehören beide zur westgermanischen Sprachfamilie, zu der auch Sprachen wie Niederländisch und Friesisch gehören. Aber was bedeutet das in der heutigen Sprachenwelt und wie wirkt sich das auf Übersetzungen aus?

Ähnlichkeiten im Wortschatz

Da beide Sprachen miteinander verwandt sind, haben sie vieles gemeinsam. Viele Alltagswörter ihrer beiden Grundvokabulare sind einander so ähnlich, dass auch jemand ohne große Sprachkenntnisse die richtige Bedeutung schnell erraten kann:

  • Buch und book
  • Milch und milk
  • Haus und house

Ähnlichkeiten in der Syntax

Beide Sprachen haben zudem verschiedene Gemeinsamkeiten in puncto Grammatik, Syntax und Satzbau. So haben einfachste Sätze im Deutschen und Englischen meist die Struktur Subjekt–Verb–Objekt: Der englische Satz „I read a book“, mit dem Subjekt („I“), das die Handlung („read“) am Objekt („a book“) vollzieht, hieße auf Deutsch „Ich lese ein Buch“, wo ebenfalls das Subjekt („Ich“) die Handlung („lese“) am Objekt („ein Buch“) vollzieht.

Wenn man Nebensätze, Präpositionalgruppen oder verschiedene Zeitformen verwendet, ändern sich die Grammatikregeln natürlich – im Kern sind die Grundstrukturen beider Sprachen jedoch miteinander verwandt. Im Endeffekt bedeutet dies, dass der deutsche und der englische Text – es sei denn, kundenseitig wurde ausdrücklich eine stilistisch abweichende Übersetzung gewünscht – in puncto Wortschatz, Sprachfluss und Aufbau auf den ersten Blick sehr ähnlich sein können.

Anglizismen: mehr Schein als Sein

Wie eingangs erwähnt, sind Anglizismen Wörter, die aus dem Englischen in eine andere Sprache übernommen wurden – es gibt sie auch im Deutschen. Egal wie sie hierher gelangt sind, werden diese Wörter oder Ausdrücke im Deutschen oft genauso wie im Englischen verwendet. Das gilt aber nicht immer – und hier beginnt die Verwirrung.

Schauen wir uns zunächst ein Wort an, das seit dem Ausbruch der Corona-Epidemie hierzulande in aller Munde ist: Homeoffice. Die beiden englischen Wörter „home“ und „office“ gehören zum Alltagswortschatz und werden von jedem durchschnittlichen Englischsprecher verstanden. Wer als englischer Muttersprachler hingegen zu einem anderen englischen Muttersprachler (der des Deutschen nicht mächtig ist) sagen würde: „I have home office“, würde merkwürdige Blicke ernten.

Warum? Weil englische Muttersprachler normalerweise „I work from home“ sagen würden. Das „Home Office“ ist außerdem die Bezeichnung für eine britische Regierungsbehörde, die sich unter anderem mit inneren Angelegenheiten befasst. Insbesondere für britische Gesprächspartner bedeutet der Begriff also etwas völlig anderes.

Es gibt im Deutschen viele Beispiele für Begriffe, die ursprünglich aus dem Englischen stammen, aber von englischen Muttersprachlern entweder gar nicht oder nur in einer anderen Bedeutung verwendet werden. Hierzu gehören auch:

  • Public Viewing“: In der englischsprachigen Welt gibt es solche Veranstaltungen zwar selten, aber wenn, würde man eher von einem „public screening“ sprechen. Bei einem „public viewing“ denken englische Muttersprachler eher an eine Aufbahrung, also die öffentliche Zurschaustellung eines Verstorbenen.
  • Shooting“ oder „Fotoshooting“: Im Englischen wird bei einem „shooting“ mit einer Waffe auf eine Person geschossen; wenn es um die Aufnahme von Fotos geht, spricht man schlicht von einem „shoot“ oder „photo shoot“. Das mag als unwichtiges Detail erscheinen, das kleine „-ing“ macht für Englischsprecher aber einen großen Unterschied.
  • Claim“: In der deutschen Werbewelt bezeichnet dieses Wort das, was englische Muttersprachler üblicherweise einen „slogan“ nennen würden. Im Englischen bedeutet claim eher „Anspruch“, etwa im rechtlichen Sinne (oft in Bezug auf Versicherungsansprüche) oder in Bezug auf die Eigenschaften, die ein Produkt für sich beansprucht.

Falls Sie als deutscher Muttersprachler diese Begriffe schon mal im Englischen verwendet haben sollten – keine Sorge, vermutlich hat man Sie trotzdem verstanden. Und jetzt wissen Sie Bescheid!

Natürlich können Sie diese Wörter im Deutschen weiterhin wie gewohnt verwenden, denn das Schöne an Sprachen ist ja unter anderem, dass sich Entlehnungen aus anderen Sprachen in der neuen Umgebung weiterentwickeln und zu eigenständigen Begriffen werden.